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SDL 2018 (16.09)

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TheaterSchule - Sommerakademie 2013

 

Die Auseinandersetzung mit dieser Ambivalenz führen wir als Teilnehmer einer digitalen Kultur, deren technologische Verhältnisse derzeit als positive Hoffnung gedeutet werden. Unsere Internet-Gesellschaft eröffnet uns nämlich die Möglichkeit zur Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen weltweit. Diese kann jedoch zur Illusion verkommen und die Möglichkeit zur individuellen Gestaltung zur kreativen Selbstausbeutung werden. Hieß es in früheren Zeiten noch: Jeder ist seines Glückes Schmied, so propagieren die Meinungsmacher der gegenwärtigen neoliberalen Utopie: Jeder ist der Unternehmer seines Lebens. Und nur selten dringen diejenigen Stimmen zu Gehör, die den Zusammenhang zwischen individuellem Verhalten und gesellschaftlichen Verhältnissen erkennen.

Diese Fragen sollen anhand des Stückes Glaube Liebe Hoffnungvon Ödön von Horváth verhandelt werden. Dessen Protagonistin Elisabeth gerät immer wieder in ausweglose Situationen, in die sie auf der Suche nach ihrem Glück hineingerät. Doch sie lässt den Kopf nicht hängen.In diesen Situationen stellt das Stück die Frage, ob Elisabeth an ihrem Unvermögen, an persönlich schuldhaftem Verhalten oder an einer teilnahmslosen Gesellschaft scheitert, die von schwachen und doch skrupellosen Männern dominiert wird (Marthaler)?

Dieses Theaterstück über die hoffnungslose Geschichte der Elisabeth, das Horvath auch als „kleinen Totentanz“ bezeichnet, birgt Hoffnung in seiner theatralen Gestaltung. Denn durch die schonungslose Offenlegung der gesellschaftlichen Verhältnisse öffnet Theater den Blick auf das Mögliche. Wenn wir im ästhetischen Prozess die Fesseln im uns Vertrauten und Gewohnten erkennen, erschließen wir uns einen Weg zur konkreten Utopie und können auf diese Weise die Potenziale der Hoffnung aktivieren.

Das heißt, wir erschaffen uns in theatralen Werken einen Möglichkeitsraum, in dem auch theaterpädagogisches Arbeiten als Probehandeln seinen Ort hat. Während den Helden im Märchen Zaubermittel zur Verfügung stehen, die sie mit List und Verstand anwenden müssen, so stehen uns ästhetische Verfahren zur Verfügung, in denen wir die Differenz zwischen gesellschaftlichen Strukturen und Fantasiewelten als Trägern hoffnungsvoller Utopien erfahrbar machen. Im Theater ist
noch nichts entschieden, die Geschichte ist Noch-Nicht-Realität und der Held hat viele Möglichkeiten des Werdens. Deshalb müssen Theaterpädagogen ihre Beteiligten nicht nur da abholen, wo sie sind, sondern auch im Rahmen ihrer noch nicht realisierten Potenzialität mit ihnen arbeiten (Gerd Koch). Auf diese Weise ist Hoffen auf Veränderung – und die „Arbeit“ daran - originärer Bestandteil ästhetischer Gestaltung.


WERKSTÄTTEN


Wir freuen uns, Euch auch in diesem Jahr wieder interessante Werkstätten anbieten zu können:


Werkstatt 1:

The physical actor mit Matthew Burton


Was uns durch den Ozean unserer Misserfolge vorantreibt ist das Element der Hoffnung. Die Hoffnung ist unsere Kraft, aus der die Prozesse der Kreativität sich nähren. Wie die Hoffnung der körperliche Ausdruck einer freudigen Erwartung ist so finden die Lernprozesse im Theater durch physische Erfahrung in der Bewegung statt - unterstütz durch Achtsamkeit und gegenseitiges Vertrauen.
Vor diesem Hintergrund werden wir drei Gebiete in der Werkstatt untersuchen:


• die Suche nach der Neutralität mittels der ledernen neutralen Maske
• die Dynamik des Raumes
• das Prinzip des Spieles in Theaterdimensionen, Bewegung und Gestik des Körpers


Mit den gewonnenen Erkenntnissen werden wir die unterschiedlichen Facetten von Figuren aus Horvaths Glaube Liebe Hoffnungerforschen.
Bitte Trainingsleidung mitbringen.
Matthew Burton,Schauspielstudium am National Institute of Dramatic Art, Sydney, Australien, und 2 Jahre an der Ecole Internationale de Théâtre Jaques Lecoq/Paris. Hat mit eigener Truppe`Cacophonico Clown Theatre` Strassen und Festivals Europas kennengelernt, war Schauspieler bei Teatr Kreatur Berlin sowie bei Ton & Kirschen Brdbg., führt Theater-Projekte in eigener Regie durch und lehrt an Theaterschulen(u.a. eti/ Berlin) und der UdK/Berlin.


Werkstatt 2:
CHORkreativ: Singen ohne Noten, Stimmspiele, Circelsongs mit Michael Betzner-Brandt


In diesem Kurs werden wir gemeinsam mit der Stimme Musik machen und Musikstücke kreieren. Dabei singen wir ohne Noten. Das heißt, die Musik kommt zum einen „aus uns“; es geht also darum, unserem „Innenleben“, also Gedanken, Emotionen, Träumen und eben auch Hoffnungen einen stimmlich-musikalischen Ausdruck zu verleihen. Und zum anderen entstehen solche Stücke nicht alleine, sondern sie werden von der Gruppe unterstützt, begleitet und womöglich strukturiert. Ziel ist es, die entstehenden Stücke so zu gestalten, dass die Gruppe Spaß am Erfinden der Improvisationen hat und dass die entstehenden Stücke bühnentauglich sein können. Ein Schwerpunkt dabei sind Circlesongs. Unter Circlesongs versteht man improvisierte Songs, die auf rhythmischen Pattern und Loops ("Ostinati") aufgebaut sind. Der Gesang wird vorbereitet und begleitet durch Atem- und Stimmübungen, durch Körpertraining und kreative Spiele.
Am Freitag macht der Kurs eine Exkursion zur Universität der Künste Berlin, wo wir unter anderem eine (General-)Probe mit dem renommierten JazzPopChor „Fabulous Fridays“ besuchen. Die „Fridays“ arbeiten seit Jahren in ganz ähnlicher Weise und erfinden gemeinsam Musikstücke, die dann in Konzerten und auf CDs zur Aufführung kommen. Michael Betzner-Brandt lebt als Dirigent, Vokalist, Autor, Pädagoge, Stummfilmpianist und Familienvater in Berlin. Er arbeitet als Dozent für Chor- und Ensembleleitung an der Universität der Künste Berlin. Seit Anfang der 1990er Jahre entwickelt und leitet er vielseitige und anspruchsvolle Chor- und Orchesterprojekte im klassischen, experimentellen und im JazzPop-Bereich.
Mit seinem innovativen Konzept CHOR KREATIV - Singen ohne Noten begeistert er seit mehr als 10 Jahren viele Kursteilnehmer und ein großes Publikum im In- und Ausland.
Buch und Infos unter www.CHORkreativ.de


Werkstatt 3:
Postdramatisches Theater mit Martina Leeker


In der Werkstatt werden sogenannte postdramatische Spielformen, Gestaltungsweisen und Dramaturgien vorgestellt und an einer szenischen Skizze zu „Glaube, Liebe, Hoffnung“ erprobt. Postdramatisches Theater zeichnet sich u. a. durch einen reflektierten Umgang mit theatraler Illusionierung aus und stellt z. B. die bruchlose Darstellung einer Figur in Frage, die sich die dramatische Textvorlage zu Eigen macht. Stattdessen können Formen wie: Erzählen eines Textes, Ausstellen von Figur und Theaterspiel, Betonung der verletzlichen Körperlichkeit der AkteurInnen genutzt werden.
Martina Leeker: Studium der Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Berlin und Paris; Theaterausbildung in Mime und Theater bei Etienne Decroux und Jacques Lecoq, Paris; wissenschaftlicher und künstlerischer Schwerpunkt im Bereich Theater/ Performance mit Medien; bis Herbst 2010 Juniorprofessur für Theater und Medien an der Universität Bayreuth. Derzeit Gastprofessorin für Theater in der Schule und Dramaturgie, Institut für Theaterpädagogik, Universität der Künste Berlin sowie Organisationsethnografin im Center for Digitals Cultures an der Leuphana Universität Lüneburg. Mitbegründerin von transARTES und der Sommerakademie Brandenburg.


Werkstatt 4:
Zeitgenössischer Tanz – Tanztheater mit Maya Brosch
„Jeder Mensch ist ein Tänzer“(Rudolf von Laban)


In dieser Werkstatt werden zeitgenössischer Tanz und Körperschauspiel miteinander verbunden. Zeitgenössischer Tanz arbeitet an der natürlichen Aufrichtung des Körpers, das Training fördert Mobilität, Koordination und Bewegungsdynamik. Im Mittelpunkt stehen Themen wie: Gewicht, Impuls, Energie, Raum und Musikalität der Bewegung. Im Körperschauspiel werden Präsenz, Neutralität, Klarheit im Ausdruck und Performance gelernt. Szenische Improvisationen dienen der Freisetzung von darstellerischer Fantasie und Spontaneität. Gefördert werden Selbstausdruck, natürliche Kreativität, Bewusstsein für künstlerische Qualität und Toleranz für das Neue und Fremde. Wir tanzen barfuß.
Bitte mitbringen: Bequeme Kleidung, für die Werkstatt und einfarbige neutrale Kleidung (Hose, Kleid, Hemd, Shirt) für die Präsentation Maya Brosch ist Choreografin, Tänzerin, Performerin; ihre Ausbildung in Mime erhielt sie in Paris bei Etienne Decroux und Daniel Stein; zeitgenössischer Tanz bei Dominique Noël und Klassischer Tanz bei Yves Casati; Mitbegründerin des Künstlerkollektivs „PLAY“ in Montpellier, das poetische und politische Themen durch Körper, Bewegung und Choreographie erforsch;. zehn Inszenierungen sind heute in ihrem Repertoire, mit internationalen Tourneen; Workshops und Kurse sind ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, Infos unter www.mayabrosch.blog.free.fr und www.houseofplay.org


Werkstatt 5:
Einsteigerkurs mit Lambert Blum


Anhand von Szenen aus dem vorgeschlagenen Theaterstück werden die TeilnehmerInnen nicht nur die wesentlichen Schritte zur Erarbeitung einer Inszenierung sondern auch die individuelle Arbeit an einzelnen Rollen kennen lernen. Dabei wird die Frage im Fokus stehen, wie die eigene Haltung zu den Figuren und zum Stoff das Spiel und die Darstellung bestimmt. Spiele zur Auflockerung sowie Übungen zu Körper, Atem, Stimme leiten die tägliche Arbeit ein. Die Werkstatt ist sowohl für KollegInnen ohne Erfahrung gedacht, als auch für solche, die erste Schritte schon gemacht haben.
Bewegungskleidung und Decke mitbringen und zur Präsentation bitte lockere schwarze Kleidung.
Lambert Blum: Dozent für Spiel- und Theaterpädagogik, Theatergeschichte und -theorie; Regisseur von zahlreichen Theaterproduktionen (Schauspiel, Kindertheater, Figurentheater für Kinder und  Erwachsene); Veröffentlichung von Fachartikeln; Mitbegründer von transARTES, Dozent an Erzieherschulen und arbeitet als Supervisor im Bereich Pädagogik/Kultur;


Werkstatt 6:
Raum/Bühne mit Frieda Schneider


In dieser Werkstatt werden die Teilnehmer anhand der Beschäftigung mit der Stückvorlage erlernen, wie man sich praktisch und systematisch eine Raum- bzw. „Bühnensituation“ erarbeiten kann, die den Text und die eigene Inszenierungsidee unterstützt. Zuerst wird die Wahrnehmung von Raum geschärft, indem wir verschiedene vorhandene Räume auf ihre theatralen Stärken hin überprüfen und nach Möglichkeiten suchen, diese wirkungsvoll einzusetzen. Des Weiteren wird die klassische Publikumssituation der Guckkastenbühne hinterfragt und andere Möglichkeiten ausprobiert (Parcours, Arenasituation etc.), um Vor- und Nachteile bezogen auf Rezeptionsformen, Inszenierungskonzepte sowie praktische Umsetzbarkeit zu erkunden. In Übungseinheiten führen wir uns schließlich die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten eines „Raumbildners“ wie Farbe, Materialität, Maßstab, Perspektive, Licht etc. vor Augen. In einem gemeinsamen Austausch zwischen den Theatermachern in den Schulen und der Bühnenbildnerin soll erkundet werden, wie die vorhandenen (oftmals beschränkten) Mittel der Schulen vielfältiger und präziser für die Raumgestaltung genutzt werden können.


Für den Einstieg bringen die Teilnehmer bitte ausgedruckte, aussagekräftige Fotos mit von dem Ort/den Orten, wo sie Theater machen, nach Möglichkeit auch einen Grundriss.
Frieda Schneider:Architekturstudium in Berlin, Stuttgart und London (dort Diplom). Autorin,  Grafikerin und  Herausgeberin von Architekturbüchern (1992 – 1997 Birkhäuser Verlag). Studium für Bühne und Kostüm am  Motley Theatre Desi auf dem FLYERgn Course London. Feste Bühnenbildassistentin am Nationaltheater Mannheim und Zürcher Schauspielhaus beim Team Christoph Marthaler und Anna Viebrock (2000 – 2003). Seit 2004 freie Bühnenbildnerin, u.a. mit Christoph Marthaler in Rote Fabrik Zürich und Waldhaus Sils-Maria (eingeladen zum Theatertreffen Berlin 2008 bzw. 2009). Tätig vor allem in der Schweiz, seit 2009 in Berlin.
 

>> ORGANISATORISCHES und ANMELDEBOGEN auf dem FLYER


 

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