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SDL 2018 (16.09)

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Bericht vom SdL in Saarbrücken 2014

Grenzgänge

sdl2014 grenzgaengeZum 30. Schultheatertreffen der Länder trafen sich rund 300 Schüler und 150 Fachtagungsteilnehmer aus allen 16 Bundesländern. Zum diesjährigen Thema  „Grenzgänge“ führte  hier vom 14. bis 20. September aus jedem Bundesland eine ausgewählte Gruppe ihr Stück vor, so dass bei diesem Festival die Essenz der Arbeit „Theater in Schulen“ zu erleben war.

Die Eröffnungsveranstaltung im Saarländischen Staatstheater erreichte ihren Höhepunkt mit der Aufführung „Kafka – die ungeheure Welt in meinem Kopf“ der Theaterwerkstatt der Richard-Müller-Schule Fulda in Kooperation mit der Eduard-Stieler-Schule Fulda (Hessen). Dieser Tag, der für alle Teilnehmer auch der Anreisetag war, endete mit einem gemeinsamen Essen im Foyer dieses beindruckend schönen Theaters, so dass es erstmals Gelegenheit zum Kennenlernen gab.

Der Montag stand ganz im Zeichen der Fortbildung. Die Schüler nahmen an verschiedenen theaterpädagogischen Workshops zum Thema Grenzgänge teil, deren Ergebnisse sie sich am Abend gegenseitig präsentierten.

Für die Spielleiter und Fachtagungsteilnehmer begann dieser Tag in der Hochschule für Musik mit einem Vortrag von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ernst „Zur Aktualität des Chores auf der Bühne“, der die aktuellen Tendenzen in der Arbeit mit Chören auf der Bühne aufzeigte und sie in den Kontext der Theatergeschichte (antikes Theater, Schiller, Brecht) setzte. Das Gegenwartstheater im Zeichen der performativen Wende und Postdramatik besinnt sich wieder auf Chöre, um das Soziale erneut präsent zu machen. Der Chor erscheint hier als musikalisch-polyphone, tänzerische Formation, der als „sinnliche Masse“ soziale Themen jenseits tradierter Vorstellungen performativ darstellen kann.

Ein zweiter Fachvortrag wurde von Dr. Michael Bauer mit dem Thema „Musik  als Theater. Eine Einführung in die szenische Arbeit“ gehalten. Abseits der Opernhäuser entwickelt sich eine neue Form des Musiktheaters, die sich im Grenzbereich von Sprech- und Musiktheater bewegt und nach neuen Möglichkeiten der Verbindung von Sprache und Musik sucht. Anhand verschiedener aktueller Beispiele (Marthaler, Häusermann, Goebbels, Rebstock, Rasche) wurden hier spezifische Arbeitsweisen aufgezeigt.

Der Montagnachmittag beinhaltete auch für die Erwachsenen verschiedene Workshops. Ich nahm an dem Workshop „Chorisches Sprechen und Textmusikalisierung“ teil: Nach einigen Warm ups ließ  Prof. Ernst die Gruppe zum „Fischschwarm“ mutieren , bei dem alle 20 Teilnehmer in 4 Reihen á 5 Leuten kleine Bewegungen übernahmen und so mit synchronen Aktionen (motorisch, akustisch) langsam zu einer homogenen Masse verschmolzen. Dies ist eine Weiterentwicklung des griechischen Tragödienchors. Dr. Bauer setzte das vierstündige Programm fort mit einer performativen Aktion nach John Cage: Hier legte er Wert auf die Sparsamkeit der Mittel, klares Ende, klarer Anfang. Eine Gruppe von 5 Personen improvisiert nach vorher festgelegtem Zeitplan 10 Minuten lang verschiedene Handlungen mit Schwerpunkt Text, Körper, Geräusch oder Musik, wobei jeder Teilnehmer in Aktion sein kann oder einfriert. Dabei entsteht eine ganz eigene Dramaturgie, bei der die Spieler im Wechsel oder gleichzeitig aktiv sind.

Der Abend wurde eingeleitet mit einem Impulsvortrag des Ministers für Bildung und Kultur des Saarlandes, Ulrich Commercon, in dem er die Persönlichkeitsentwicklung als die vornehmste Aufgabe von Bildung herausstellt und betont, dass die Entwicklung des eigenen Standpunktes wichtiger ist als Durchschnittsnoten. Ziel der Bildungspolitik sei es, alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft an Kunst, Musik, Tanz und Theater heranzuführen durch praktisches Tun. Denn nur wer selbst künstlerisch tätig ist kann erahnen, was Kunst bewirken kann. Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht nur darin schöne Objekte zu schaffen, sondern ist eine Methode, den eigenen Platz zu finden. Durch Theater lernt man sich selbst kennen. Es ist somit eine fundamentale Chance zur Persönlichkeitsentwicklung.

Eine Podiumsdiskussion des Kulturradio SR2 mit dem Thema „Theater in der Schule – neue grenzüberschreitende Spielräume für kulturelle Bildung“ beendete diesen interessanten Tag. Hier diskutierten der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Theater in der Schule Gunter Mieruch mit der Theaterregisseurin Miriam Scholl, dem Professor Christian Rolle für Musikdidaktik der Hochschule für Musik, Saar und der Generalintendantin des Saarländischen Staatstheaters Dagmar Schlingmann.

Am Dienstag begann der Theatermarathon im Theatersaal der Universität Saarland mit der Berliner Gruppe Frei&Wild der Reinhardswald-Grundschule Berlin-Kreuzberg mit der erfrischend lebendigen Aufführung „Die Liebe zu den drei Orangen“ nach Carlo Gozzi. In der Aula der Universität spielte die Theatergruppe der Montessorischule Greifswald für Mecklenburg-Vorpommern das Stück „2064“, in dem die Schüler ihre Visionen in 50 Jahren szenisch interpretierten.

Am Nachmittag ging es mit Bussen zur Freien Waldorfschule Altenkessel, wo wir zuerst den Beitrag von Sachsen „Doch einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“ der Schultheatergruppe Mienenspiel der Oberschule Lößnitz erleben durften. Ein sensibel ausgearbeitetes Stück über das Leben jüdischer Kinder in der Nazizeit. Zum gleichen Inhalt spielte am Abend die Gruppe des Hamburger Gymnasiums Blankenese „Wie wir wurden, was wir waren“, eine bedrückende Aufführung, die Texte verschiedener Autoren zum Ausgangspunkt genommen hatte.

Der Mittwoch wurde eingeleitet von der Brandenburger Gruppe der Schule für Blinde und Sehbehinderte aus Königs Wusterhausen mit einer Eigenproduktion namens „Die Unberührbaren“, in der die Schüler sehr drastisch auf ihre besondere Situation aufmerksam machten.

Parallel dazu lief der Bremer Beitrag „Face it“ des Kurses Darstellendes Spiel der Oberschule Schönhausen, szenische Experimente zur Identitätsfindung.

Folgende Theaterstücke, die ich leider nicht gesehen habe, wurden noch bis Freitag aufgeführt:

  • Baden-Würtemberg (Theater-AG der Kaufmännischen Schule Lörrach) :„Teechers“
  • Niedersachsen (Kurs Darstellendes Spiel des Theodor-Heuss-Gymnasiums) :„Jeanne“
  • Thüringen (Kurs Darstellendes Gestalten des Goethegymnasiums Weimar): „Komm, ich zeig dir, wie man schwimmt“
  • Saarland (Kurs Darstellendes Spiel Ludwigsgymnasium Saarbrücken): „Werthers Cafe“
  • Nordrhein-Westphalen (Theater-AG des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen): „Wenn nichts bleibt“
  • Schleswig-Holstein (Oberstufen Theater-AG Kopernikus Gymnasium Bargteheide): „Merlins Land“
  • Bayern (Theatergruppe der Staatlichen Realschule Weißenburg):“Sandmann, lieber Sandmann“
  • Rheinland-Pfalz (Theater-AG ohren-kopf-und-kragen des Stefan- George-Gymnasiums Bingen): “Leonce und Lena

Nach sieben Theaterstücken in drei Tagen schwirrte mir der Kopf, voll von wunderbaren Eindrücken und intensiven theatralen Erlebnissen musste ich leider schon die Heimreise antreten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Schultheaterfestival der Länder ein beindruckendes Erlebnis ist und einen tiefen Einblick in die Arbeit der Lehrer und Schüler gibt, die sich diesem Fach mit Begeisterung und überdurchschnittlichem Engagement hingeben!

 

Annette Kaufhold

Katholische Schule Bernhardinum Fürstenwalde

 

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