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SDL 2018 (16.09)

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Die Welle 2017

 

Dennoch kann sich das Ergebnis auch am Abend des 13. Mai 2017 sehen lassen. Dramatisiert wurde das äußerst brisante Buch „The Circle“ (2013) des nordamerikanischen Schriftstellers Dave Eggers (*1970). In diesem epischen Konvolut stecken gewaltiger gesellschaftlicher Sprengstoff, digitales TNT und hochansteckende weil leicht übertragbare zwischenmenschliche „Viren“. Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Was wir ins Internet stellen, stellen wir allen zur Verfügung. Wir sind nicht mehr ich, wir sind wir, ohne Anspruch auf Individualität und ohne Rückzugsmöglichkeit ins Private. Alles ist öffentlich. „Etwas zu wissen ist gut. Alles zu wissen ist besser.“ – „Geheimnisse sind Lügen“.
Man muss es Hans-Albrecht Weber und seinen Eleven zugestehen – sie haben ein gutes Gefühl für gesellschaftlichen Zündstoff und beweisen theatralisches Geschick, diese Problemfülle auf die Bühne zu bringen. Alles kommt äußerst konzentriert daher (Spieldauer: 60 Minuten) und ist nicht nur spielerisch, sondern auch medial voller Überraschungen und Professionalität. So hat der „Operator“ (Dominik Geier) alle Hände voll zu tun. Bei ihm laufen alle Überwachungsfäden (und die Bedienung der beiden Beamer) zusammen. Er steht zwar im Halbschatten der Bühne, ist aber immer „im Bild“. Nomen est omen.
Als sehr wirkungsvoll erwiesen sich auch die verwendeten Videoeinspielungen, egal ob als „Pro-“ oder „Post-Produktion“ eingesetzt (Friederike Dietrich, Felix Hertneck).

Und man bekommt auch als Zuschauer regelrecht Angst, in die Fänge des „Circles“ zu geraten, einer fiktiven, fast übermächtig zu nennenden Organisation, die, hierarchisch strukturiert, die totale Überwachung der Firmenmitarbeiter und deren Unterordnung durchsetzt.

Das Firmen-Logo, ein dickes, fettes „C“, ist auch auf Bühne, Bildschirmen und als Body-Button omnipräsent. Auch auf der Titelseite des gut gestalteten Programmfaltblattes ist dieses „C“ zu finden, hier aber, welch genialer Einfall, in Form eines Irrgartens (griech: Labyrinth).

Einzige Einschränkung:
Die Gefährlichkeit dieser „Welle“ kam insgesamt zu nett, zu sympathisch daher. Die Boshaftigkeit und Seelenlosigkeit dieses Systems war am besten noch in der Figurenzeichnung des Eamon Bailey zu spüren (sehr überzeugend: Wenzel Hebold). Kälte, Grausamkeit und Falschheit sind sicherlich schwer spielbar, zumal von durchgängig sympathischen evangelischen Gymnasiasten, aber sie sind unabdingbar, sonst bleibt die „Welle“ zu harmlos.

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