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SDL 2018 (16.09)

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TheaterSchule - Sommerakademie 2017

Werkstätten


1) Finding Dory - Jochen Roller
Um mit Menschen zusammenleben zu können, die andere Wertvorstellungen als wir haben
und anderen Normen folgen, ist es recht hilfreich, eigene kulturelle und soziale Normen
künstlerisch zu reflektieren. Inspiriert durch die Figur des Palettendoktorfisch Dory aus der
Walt Disney-Serie „Finding Nemo“ machen wir uns auf die Suche nach anderen Formen
des Lernens und versuchen dabei, überlieferte Vorstellungen von unseren Körpern zu
verlernen und somit neu zu definieren, was Tanz ist. Durch choreografisches Othering
machen wir uns selbst zu ‚dem Anderen’ und erproben wortwörtlich, sich außerhalb der
Norm zu bewegen.
Wir beginnen den Tag mit einem Warm-up aus Elementen des Gaga, der Tanztechnik des
israelischen Choreografen Ohad Naharin, in der sich der Körper spaßvoll auf eine
Expedition zu neuen Körperbildern begibt. Anschließend stärken wir unsere Resilienz in
Übungen zu zweckfreiem choreografischen Handeln, wie zum Beispiel silly walks,
Sardinentanz, really nothing und pretty ugly sculptures. Aus den einzelnen Übungen
heraus entstehen kurze Handyvideos, in denen wir untersuchen, welche Strukturen sich
zwischen unserem choreografischen Anderssein und der örtlichen Umgebung in
Hennigsdorf ergeben.
Der Workshop richtet sich an Teilnehmer, die bereit sind, über die Grenzen des Gewohnten
und manchmal auch des Erlaubten hinauszugehen. Vorkenntnisse in Tanz sind nicht
erforderlich.
Jochen Roller, geboren 1971 in West-Berlin, studierte Angewandte Theaterwissenschaft
in Giessen und Choreografie am Laban Centre in London. Er arbeitet als Choreograf,
Dozent und Kurator. In seinen Stücken, Workshops und Programmreihen befasst er sich
mit interkulturellen, sozialen und politischen Themen, die durch Tanz in Bewegung
gebracht werden. Bewegung ist in seinen Arbeiten das Kommunikationsmedium von
intelligenten Körpern, die auf empathische und intellektuelle Weise in einen konfrontativen
Dialog treten. Choreografie wird hierbei sowohl als ästhetischer wie auch gesellschaftlicher
Gestaltungsprozess verstanden.


2) Bühnenkampf – Nick Doormann
Wie bringe ich einen Kampf auf die Bühne? Einen Kampf, als ernsthafte und gewalttätige
Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehreren Menschen?
In dieser Werkstatt erarbeiten sich die TeilnehmerInnen ein Repertoire aus grundlegenden
und erweiterten Techniken des Bühnenkampfes. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Handund Fußtechniken, die aus unterschiedlichen Kampfstilen entlehnt sind. Darüber hinaus
arbeiten wir mit Techniken des Stockkampfes und mit Theatermessern. Die
TeilnehmerInnen entwickeln Kampf-Choreografien zu unterschiedlichen Formaten, wie z.B.
Zweikampf oder Massenschlägerei.
Ziel der Werkstatt ist die reflektierte Anwendung von Bü hnenkampftechniken für die
Darstellung von politischen Kämpfen, wie sie sich in eskalierenden Diskussionen,
gewalttätigen Diskriminierungen der bei Ausschreitungen bei Demonstrationen,
Erstü rmungen von Grenzanlagen sowie Festnahmen, Anschlägen und Attentaten zeigen
können. In Frage steht dabei das Verhältnis von Darstellung, Wirkung und Rezeption.
Welche ästhetischen Verfahrensweisen gibt es, um die Rezeption so zu gestalten, dass
eine kritische Reflexion von und nicht eine bloße Einfühlung in Gewalt möglich ist.
Als Inspiration dienen uns dabei, neben den Techniken des Bühnenkampfes, politische
Schriften und filmisches Bildmaterial.
Nick Doormann, Jahrgang 1970, arbeitet nach abgeschlossenem Studium an der
Hochschule für Bildende Künste Hamburg und einer Qualifizierung zum Theaterlehrer, seit
2003 als Lehrer für Bildende Kunst, Musik und Theater an einer Hamburger Stadtteilschule.
Er ist ausgebildeter Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Konfliktmanagement und seit
2009 als Dozent und Seminarleiter für das Lehrerinstitut Hamburg in der TheaterlehrerQualifizierung tätig. Nick Doormann ist diplomierter Stagefighter und ausgebildeter
Instructor im traditionellen Stil des Lok Yiu Wing Chun-Kung Fu. Seit 2003 ist er als Kung
Fu Lehrer in Hong Kong und Europa registriert und arbeitet als Trainer in einer Hamburger
Kampfkunst Schule.


3) The Dramaturgy of the Theatre of the Oppressed – Bárbara Santos
(Die Werkstatt findet in englischer Sprache statt, für Übersetzung ist gesorgt)
Theatre of the Oppressed, a theatrical method created by Brazilian playwright Augusto
Boal, proposes a critical reading of reality to produce an appropriate aesthetic
representation of a particular group’s perception of this reality. The goal is to provoke a
purposeful, horizontal dialogue capable of deepening the analysis of problems identified in
the aesthetic representation so that concrete alternatives can be found for overcoming them
in reality. It is necessary to ensure that the representation addresses the complexity of the
problem—considering both the specificities of an individual case, as well as the influences
of social context and the subjectivity of the characters beyond their objective attitudes. To
achieve this aim, Theatre of the Oppressed offers a specific dramaturgy based on different
techniques such as
Aesthetics of the Oppressed, Rainbow of Desire and Newspaper
Theatres
. In this workshop, some of the possible methods will be presented and tested in
order to develop a Forum Theatre production.
(Deutsche Übersetzung: Im “Theater der Unterdrückten”, das der brasilianische
Theatermacher und Stückeschreiber Augusto Boal entwickelt hat, geht es darum, eine
kritische Lesart der Wirklichkeit zu unternehmen. Eine angemessene ästhetische
Darstellungsweise dieser Lesart soll für eine von ihr betroffene Gruppe hergestellt werden.
Ziel ist es, einen horizontalen Dialog zu ermöglichen, mit dem die entdeckten Probleme
tiefgehend in der ästhetischen Darstellung analysiert und konkrete Alternativen erarbeitet
werden können, um die kritisierten Zustände in der sozialen Wirklichkeit zu überwinden. Es
gilt dabei sicherzustellen, dass die Darstellung die Komplexität des Problems wiedergibt.
Dies bezieht sich zum einen auf das einzelne Fallbeispiel und zum anderen geht es darum,
ebenso die soziale Umwelt zu ermitteln und darzustellen wird. Dies zu ermöglichen, hat das
„Theater der Unterdrückten“ eine eigene Dramaturgie entwickelt, zu der unterschiedliche
Techniken zählen wie etwa die
Ästhetik der Unterdrückten, den Regenbogen der Wünsche
oder das Zeitungstheater. In der Werkstatt werden diese Methoden vorgestellt und erprobt,
um eine
Forumtheater- Produktion zu entwickeln).
Bárbara Santos is Artistic Director of KURINGA - space for Theatre of the Oppressed in
Berlin, the theatre groups Madalena-Berlin, Collective Madalena-Anastácia and TOgether
International Theatre Company. She is founder of Ma(g)dalena International
Network,
feminist theatre groups from Latin America, Europe and Africa who promote
discussion and concrete actions for women’s rights. Bárbara is
member of ITI Germany,
editor of Metaxis magazine and author of “Theatre of the Oppressed, Roots and Wings:
A Theory of the Praxis.”

4) MUSIC Hacklab - Theaterklang EXTREM – Matthias Krebs
(Keine Vorkenntnisse erforderlich. Wenn vorhanden bitte mitbringen: Smartphone, Tablet,
Kopfhörer)
Bis es dem Menschen gelang, die Schallmauer zu durchbrechen, musste ein erheblicher
technischer Aufwand betrieben werden. Das Resultat: Ein lauter Knall. Welchen Aufwand
betreiben Musiker_innen, um ihre künstlerische Vision oder einen gewünschten Effekt zu
verwirklichen? Mehr Bass durch größere Instrumente, dröhnende Lautstärke durch riesige
Gitarrenverstärker, noch nie dagewesene Klänge durch digitale Synthesizer und
Helikopterstreichquartette. Wobei die Tatsache, dass ein Fingerwisch auf dem Display
eines Smartphones einen gigantisch lauten Klang oder eine ganze Kette von Tönen,
Geräuschen oder Loops auslösen kann, durchaus in einem gewissen Gegensatz zur
allgemein verbreiteten Auffassung von Musikinstrumenten steht.
In unserer digitalisierten Welt stößt der Zuhörer/die Zuschauerin, bedingt durch schier
endlose Ausdrucksmöglichkeiten und eine ständige Verfügbarkeit von Musik, immer wieder
auf musikalische Extreme. Woher kommt der Wunsch oder gar die Notwendigkeit, sich mit
Hilfe von extremer Musik Gehör zu verschaffen und welche Rolle spielt dabei die
Identifikation mit einer Gruppierung oder Szene?
In dieser Werkstatt wollen wir ein Kreativlabor einrichten: Extrem laut, extrem schnell,
extrem kitschig, extrem weit, extrem hell, extrem schön... Und kann Musik auch extrem
politisch sein? Ausgehend von künstlerischen Experimenten wollen wir eigene Formen von
Musik komponieren, Szenen realisieren und dafür selbst Instrumente erschaffen, die bisher
auf keiner Theaterbühne zu hören war: Gesten und Choreographien werden zu Melodien,
Geräusche und Sprache zur Harmonie. Eine Instrumenten-Werkstatt dafür bieten
unterschiedliche Instrumente, Mikrophone & Controller sowie Musikapps, die wir
modifizieren und mit einander frei kombinieren.
Matthias Krebs ist Diplom-Musik- und Medienpädagoge, Physiker und Opernsänger. Seit
2009 beschäftigt er sich mit der systematischen Erfassung des Phänomens Appmusik
sowie den daraus resultierenden pädagogischen Implikationen dieser digitalen
musikalischen Praxis. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste
Berlin und leitet dort die Forschungsstelle Appmusik (Institut für digitale Musiktechnologien
in Forschung und Praxis) sowie das Lehrforschungsprojekt DigiMediaL. Darüber hinaus hält
regelmäßig Vorträge auf Konferenzen und ist als Moderator und als passionierter
Fachblogger aktiv. Er ist Workshop-Leiter (u.a. app2music), deutschlandweit in der
Lehrerfortbildung tätig, Berater für Musikapp-Entwickler sowie Musiker im DigiEnsemble
Berlin, einem professionellen App-Orchester, das auf großen Bühnen Konzerte spielt.
Vgl.:
www.digiensemble.de, www.app2music.de, www.forschungsstelle.appmusik.de


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