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Paradox daran ist, dass kulturelle Bildung einerseits Konjunktur hat, andererseits die so genannten harten Unterrichtsfächer an Gewicht gewinnen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund unverständlich, dass längst erkannt wurde, wie positiv sich ein kultureller Weltzugang auf Bildungs- und Integrationsprozesse von Kindern und Jugendlichen auswirkt.

Einige Bildungspolitiker/innen, aber auch die Kulturpolitik haben indes diesen Zusammenhang erkannt. Von ihnen unterstützt werden – von wenigen Ausnahmen abgesehen – vorrangig Leuchtturmprojekte und damit weit seltener kontinuierliche Angebote. Diese finanziell unterstützten Ansätze werden zudem nicht systematisch an den Schulen verankert, von einer flächendeckenden Reichweite ganz zu schweigen. Erschwerend kommt hinzu, dass die zumeist in Verantwortung genommenen Künstler/innen den Bildungsauftrag und die strukturellen Logiken von Schule nicht kennen.

II

Die Gestaltungsformen des Schultheaters beziehen sich auf die Ästhetik des Theaters und des Performativen, des Tanzes, der Musik, des Films und der bildenden Kunst. Da demzufolge an der Vielfalt dieser Formen verschiedene Künste und andere Medien und unterschiedliche kulturelle Systeme beteiligt sind, lässt sich der Gegenstand des Faches nur interdisziplinär erfassen.

Das Fach Theater weist große Schnittmengen mit der Kunstform Tanz auf. Für beide Künste sind Kategorien wie Körper, Raum und Zeit bestimmend. In den Curricula für Theater finden sich zahlreiche Andockstellen für Bewegung, Choreographie, Tanz. Künstlerische Tanzformen, die z.B. in eigenständigen Tanztheateraufführungen sichtbar werden, sind wesentliche Fachaspekte des Theaterunterrichts und finden in Theaterproduktionen häufig Anwendung (z.B. als Mittel zur Abstraktion, als Element der Brechung realistischer Spielszenen, als kommentierende Gruppenaktivität, als choreografische Darstellung, zur Rhythmisierung einer Szenenfolge). Darüber hinaus gibt es zunehmend eigenständige Umsetzungen von Tanztheater und Tanzperformances im Theaterunterricht.

Während Theater als Unterrichtsfach aber immerhin in allen Bundesländern, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, verankert ist, gibt es jenseits weniger Modellschulen kein Unterrichtsfach Tanz. Tanz findet sich dagegen wieder in den Fächern Theater, Musik oder Sport.

Während das Engagement der Bildungspolitik für das Fach Theater in den letzten Jahren kaum nennenswert gewachsen ist (z. B. Verankerung in den Schulen, Lehrerweiter- und -ausbildung), wandte die Kulturpolitik dem Tanz verstärkte Aufmerksamkeit zu. Programme und Initiativen entstanden und unterstützten den Transfer von Tänzern/Tänzerinnen und Tanzpädagogen/Tanzpädagoginnen in die Schulen. Diese Dynamik hat dazu geführt, dass der Tanzplan Deutschland aufgelegt oder der Bundesverband „Tanz in Schulen“ gegründet wurde. Damit wurde der Ruf nach einer stärkeren Implementierung des Tanzes in den Unterricht lauter. Während allerdings Theater fast alle Kinder und Jugendliche in der Schule erreicht, kann nicht davon gesprochen werden, dass Tanz diese strukturelle Verankerung hat. Zudem fehlt es noch an grundlegenden Erkenntnissen über bewährte Vermittlungsmodelle.

 

III

Der BV.TS hat ein großes Interesse, sein Verhältnis zu dem unmittelbaren Nachbarn innerhalb der Darstellenden Künste, dem zeitgenössischen Tanz, auf seine Wesensmerkmale wie auch nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu befragen.

Dazu gehört auch die Frage, welche Tanzformen kinder- und jugendadäquat sind bzw. sein können und welche sich besonders für die schulische Tanz- und Theaterarbeit eignen. Auch muss die Frage gestellt werden, wie und von wem Tanz unterrichtet werden soll.

 

Der BV.TS beabsichtigt vor dem Hintergrund dieser Fragen in Kooperation mit dem Bundesverband Tanz in Schulen zu treten, um den Disziplinen Theater und Tanz mehr Aufmerksamkeit und Gewicht in der ästhetischen Bildung in der Schule zu verschaffen. Damit verbindet sich die Forderung, Theater und Tanz in der Lehrer(aus)bildung in Schule, Hochschule und Weiterbildung stärker zu verankern.

Antrag des Vorstands zur Mitgliederversammlung des BV.TS am 04. Dezember 2010 in Frankfurt am Main

 

 

 

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